Gemeindeordnung von 1709

Original Text der Gemeinde-Ordnung aus dem Jahre 1709

Ich Carl Benedict Nützel von und zum Sündersbuhl des hochlöblichen fränkischen Craises bestellten Kriegs-Rath Obrister, und derzeit eines Hochedlen und Hochweißen Rates des Heil. Königlichen Reiches Stadt Nürnberg, verortneter Pfleger des Klosters und Amtes Engelthal, Urkunde und bekenne mit diesem Brief.

Demnach Ich Zeit meiner Amtierung mehrmalen, erfahren, was für grobe Feindseligkeiten, Haß und Neid, bei einer ganzen Dorfgemeinde zu Ober und Unterkruppach in Schwange gehen, welche einig und allein daher rühren, weiln fürs erste im Dorf keine Gemein-Ordnung als in andren Orten hergebracht sind, vorhanden nach welcher die ungehorsamen und Widerspenstigen abgeurteilt werden können.

Im anderen weiln einer Gemeinde von altersher berechtigt Erbhuden, Weg und Steig nicht in seiner rechten Ordnung sondern zum Schaden und Nachteil an derer Nachbarn unberechtigt gebraucht werden. Und drittens weiln der Gemeinde Holzungen, Eichenanger und andere gemeinschaftliche Grunde von denen anstößig, die von Jahr zu Jahr gemeiniglich weiter hinausgegangen und hier und dort eines umb das andere disputirlich gemacht, nicht ordentlich vermarktet und verpflockt gewesen.

Diesen schädlichen gezwingen nun ferner hin vorzukommen dagegen gute vertrauliche Nachbarschaft zu stiften, bin ich auf einer ganzen Gemeinde zu befragen Ober und Unterkruppach einhellig gethanes Bitten, tragenden Amtes und von Gemein Herrschaftswegen bewogen worden denen selben mit einer heilsamen Gemeinordnung, sodann mit einer Gemeinerblichen auch Weg und Stegbrief und entlich nach nunmehr völlig Ausgemarkter Gemeinde, mit einem Markierungsbrief über alle in und an der Gemeinde neu gesetzte Marksteine, deren zeigen alle von Ziegeltrümmem, so sich wieder zusammenschicken müssen, geschlagen werden, wolmeinend an Hände zu gehen.

Dieweiln aber von den alten Gemeinsverwanden angezeigt worden, daß sie von ihren Eltern gehöhret wie daß ihre Gemeinde vor alters alte permantener Brief gehabt hatte, darinnen sie bei einer zu Kruppach gewesenen Feuersbrunst gekommen.Als ist man Amtswegen hierauf bedacht gewest, in des Ampts Engelthal habenen Archiven fleißig nach zu suchen, und hat man endlich in einem alten Amts- Protokollo Sub dato February Anno 1561 den wahren vollkommenen Inhalt einer Gemeinordnung und Beschreibung alter gemeinen Erblucken, Weg und Steg deutlich eingeschrieben mithin zugleich wahr gefunden, was die damaligen alten Inwohner in der Gemein ihrer verbrannten Briefe halber von ihren Eltern erzählen höhren. Solcheinnach ist sowohl Amt Engelthal als auch die Gemeinde selbst desto begieriger geworden, das Jenige was von alters der Gemeinde zum Besten gesetzt und geordnet gewest, nicht nur wieder völlig zuverneuern sondern auch nach den Zeiten und Lauften, dann anders mehr sich sehr geändert, in ein und anderen Stück zu erlautern und zu verbessern. Zu welchem Ende dann erstlich die Gemeinordnung welcher fürhin steif und test nachzuerleben ist, und jährlich im Amt einer Gemeinde vorgelesen werden solle, verfasset worden, wie von Punkt zu Punkt nachfolget.

 

Ad Articulum 1mum

Der Führer Wahl und derselben Amt dann die Versammlung der Gemein betref.

Erstl., nach dem für gut befunden worden, daß für jezo und ins künftige allezeit in Ober und Unterkruppach Überall ein Führer sein solle, daß sollen von gemelden Führer alle Jahr der alteste abkommen und hingegen mit Rat und Gut befinden eines Herrn Pflegers zu Engelthal, durch sie beide Fuhrern, zwei Mann aus derganzen Gemein, die zu solchem Führeramt tauglich sind, vorgeschlagen werden, aus denen eine ganze Gemeinde nachmals durch Einholung der mehristen Stimmen ein neuen Führer erwählen kann, welcher sofort durch einen Herrn Pfleger in gegenwart der ganzen Gemeinde mit Pflichten, als zu End dieser Ordnung vorgeschrieben zu finden zu versichern ist.

Diese zwei Führer sollen, so offt es die Notdurft erfordert, Macht haben, mit Erlaubnis eines Herrn Pflegers, eine Gemeinde zusammen zuerfordern, und weiche Stunde Sie Führern benennen werden, da soll ein jeder Gemeins Verwanter persöhnlich erscheinen und ohne Ehrhaft und erhebliche Ursachen, oder erlangten Urlaub Niemand außenbleiben, auch nicht Weib, Kinder, Ehehalten, oder Buben schicken, wo aber einer solchens Gesetz Überführen, und über die angesetzte Zeit eine halbe Stunde außenbliebe, der solle einer Gemeinde fünfunzwanzig Pfennig Straf verfallen sein.

Doch solln sich einer oder mehr auBen bleiben, gleichwohl die andern versammelte, nichts destominder Macht haben, zuratschlagen, zuhandeln, zuschließen, und daßselbe alles Kraft haben und binden, als ob die abwesende mit gehandelt und geschlossen hatten. Und solle bei dem altisten Führer allezeit die Zusammenkunft sein, zu welchem Ende auch in seinem Hause die Gemein-Truhe und Püchsen jeder Führer aber der zu einen besondem Schlüssel haben solln, damit keiner ohne des andern beisein die Gemein-Truhe öffnen könne. Im Obrigen aber sollen Sie das jenige, was ihnen von Briefen oder Geld anvertrauet worden, getreulich einer ganzen Gemeinde verrechnen, und damit keinen Eigennutz, wie der Verdacht werden möge, führ. Endlich sollen die Gemeinds Verwanthen bei versammelter Gemein, sich gegeneinander bescheidentlich und freundlich erzeigen, keiner Fluchen, oder den andern Lügenstrafen, auch keiner Wöhr und Waffen mit zur Gemein bringen, bei Straf fünfzehn Kreuzer.

 

 Ad Articulum 2dum

Der Gemeinde Holzungen, gemeine Erbweege und Steeg Erblucken und Stiegel anlangende

Sollen die Führer schuldig und gehalten sein, aile Jahr die Hdlzer gemeine Erbwege und Steeg, Erblucken und Stiegel, weiche keiner von meinen ausgemarket verpflocket und unten zufinden, beschrieben worden, zu umbgehen und fleißig nachzusehen, ob keine Marksteine und Pflocken umkommen, desgleichen ob der Gemeinde Erbweege und Steege, Erblucken und Stiegel in brauchbaren Stande sich befinden da sich ein darinnen einiger Mangel hervorthun und erwiesen wurde, daß ein anstdBer an die Gemeinde, an eines abgegangenen Marksteins oder Pflockens, oder an Erhaltung einer Stiegel nachläßig oder schadlich gewest, der solle der Gemeinde von jeder überfarth fQnfzehn Kreuzer Straf verf alien daßei schuldig sein, solche verfallene Stein, oder Pflocken

auf eigenen Kosten wider sezen zu laßen. Würde sich aber zeigen, daß die Führer in umbgehung solcher Holzmark, oder an reparierung gemeiner Weeg, Steeg und Stiegel sich saumig erwiesen hatten, alsdann solle deren abstrafung bei Erkenntnis der Herrschaft stehen.

 

Ad Articulum 3tium

Vom Abgebung Hau- und Brenn-Holz in der Gemein

Demnach mit alters hergebracht, wann in der Gemein Holz abgeben worden, es in beisein einer ganzen Gemein geschehen, daßei soli es zwar noch ferner verbleiben, jedoch solle allezeit vom Amt der OberfOrster daßei sein, damit einer Gemeinde nicht zum Schaden gehandelt wird. Und wann man Holz abgebet, sollte der groBe soviet als der kleine, und dieser soviet als der jenner bekommen, und keiner gevortheilet werde.

 

Ad Articulum 4tum

Kann man in der Gemein das wilde Obs und Aichel nuzen solle

Es soll auch Niemand, weder Mannes oder Weibes Personen einig wildes Obs oder Eichel abschlagen, oder abschütten, sondern solches von sich selbsten abfallen und verreißen lassen, bei Straf Eines Gulden. Was nun solchergestallten abfallen wird, das hat eine Gemeinde mit dieser Ordnung und Maas auf zuglauben Macht, daß Taglich aus eines Gemein Verwanthen auß zwei Personen, von einem Bestandner und Innwohner aber Eine Person hinausgeschicket werden solle. Wer und Weiche nun dieses Verbott übertretten werden, der oder die selbe sollen von jeder überfahrt Fünfzehn Kreuzer Straf verfallen sein. Und damit die Gemeinde ins Aufnehmen kommen moge, sollen Sie gehalten sein geschlachte und ungeschlachte Baume auf die Gemeinde zupflanzen und zusetzen, die Führer aber sollen obsicht haben, daß solche umzaunet und vom Viehe verwahret werden.

 

Ad Articulum 5tium

Den Gemein Hirten und sein Lohn betrf.

Item die Verordnete Führer haben Macht mit WiBen des Gemein- Herrn einen Hirten zu dingen, der tauglich, und einer Gemein- Herd nüzlich und förderlich seie, derselbe steht in eines Herrn Pflegers zu Engelthal Versbruch und wird demselben verlaßen einer Gemeinde Viehe, daselbe treulich und fleiBig den Armen als den Reichen, zuhüten, Fehler, weiche ER darin abmerket fleißig zueröffnen und solle seine Wohnung im Gemein Hirtenhaus haben, und Jhner von alien Gemein Verwanten Jahrlich zur Besoldung oder Hirten-Pfrünth, sampt denen kleinen Rechten, die dem Hirthen- gebühren, gegeben werden, wie vor alters herkommen, und nachfolgend hineben Specificiert zufinden ist. Einer Kuhe gibt man dem Hirthen das Jahr über einen groBen Mezen Korn, von einer Kalben auch einen solchen Mezen Korn, von einem Schwein einen halben Mezen. Von einem heurigen Kalblein einen halben Mezen Dinkel.

Item der Jenige, so dem Hirthen lauters giebt, der solle den Mezen streichen, wer Jhne aber gemischtes Getreid gibt, der solle solchen Haufen. Die Sambstag Milch gibt man von Walburgis biß Jacobi, wer solche nicht geben kan, mag sich mit dem Hirthen abfinden. Item von allem Viehe, so man zuvor nicht für die Heerde getrieben hat, einen gewöhn Pfennig. Wann sich eine Kuhe verjüngt auf der Weid und Feld, so gebühret dem Hirten zugeben nach seinen Ehren.

Am Grünen Donnerstag Entlaß Eier. Jeder zu Pfingsten, ein Jahr einen Krolas, nach seinen Ehre wie mit alters herkommen ist.

Zu Martini, wer bächt ein Martins Horn, wer nicht bacht einen Pfenning.

Item im Herbst, ein Bauer der mit dem Pflug hinaus fahrt, ist schuldig Ihm ein Bürth Krauts und Rüben, ein Köbler nur Bürth Krauts oder Rüben, welches der Köbler am liebsten gibt.

 

Ad Articulum 6tum

die Hörner abzuschneiden

Item wann man im Frühling das gehörnte Viehe anfänglich austreiben will, so soll man demselben die Hörner ein wenig abschneiden, damit eines dem andern keinen Schaden thue, bei Straf zwanzig Pfennig.

 

Ad Articulum 7tum

Des Dorfs Viehe Trieb betrf.

Die Führer sollen auf des Dorfes gewöhnlichen und von alters hergebrachten Viehetrieb, einer Gemeinhalber, in guter Achtung haben, jedes mals den Hirthen befehlen, soweit derselben Untermark gehen, zutreiben und zuhüten, damit einer Gemein daran nichts entzogen werde, oder Abbruch und Schmälerung beschehe, als dann einem jeden neuen Huthmann durch die Führer der Trieb angewiesen und Befehl gegeben werden solle, denselben also zubesuchen und zutreiben.

 

Ad Articulum 8tum

Das Hüten auf denen neuen Halmen, oder Nachweid betrf.

Es soll auch kein Gemeins Verwanther auf seinem oder andern Grund und Boden, Wißmathen, oder Feldern in dem neuen Halmen oder Nachweid, mit seinem Viehe besonder Hüten, oder darinnen grasen, es habe dann der Hirth zuvor darinnen gehütet, bei Straf zwanzig Pfennig. Desgleichen soll auch keiner sein Vieh selbst, oder durch die seinigen treibens oder allein hüten lassen, auf seinen Ackern Oder Wiesen die abgeschnitten, Oder abgemaht sind, sondern daßelbe dem Huthmann neben andern Viehe fürtreiben lassen, und wenn ein Gemeins Verwanther seine Felder eingeschnitten und abgeräumt, solle Er das Feld drei Tag darum umgeackert liegen laßen, damit der Kühe und Schwein Hirth vorhero 2 Tag, der Schäfer aber und der Gänß-Hirth den dritten Tag seiner Huth und Weide darauf besuchen können, alßdann solle ein jeder seine Hallmen pflügen wann es ihme beliebet, bei Straf fünfzehn Kreuzer.

 

Ad Articulum 9num

Den Schaaf-Trieb betrf.

Es sollen auch diejenigen, so Schaaf alhier zu halten, berechtigt sein, mit demselben auf die Schmalsaat Prach Felder, oder auf die Wießmathen, deB gleichen, auch wie in lezt vorigen Articul enthalten, auf die neuen Halmen nicht treiben, man habe dann zuvor mit dem gehörnten Viehe darauf gehütet. Immaßen dann allenthalben Landes gebräuchlich ist, bei Straf eines halben Gulden.

 

Ad Articulum 10mum

Straf deren, so einem andern zu Schaden Hüten und treiben.

Hem ein Gemeins-Verwanther dem andern zu Schaden treiben oder hüten, und darum gepfändet würde, so soll der Schaden auf der Klagenden theils Begehren, durch die Führer besichtiget und erkennet werden, was einer dem andern für den Schaden bezahlen und geben solle, daßei soll es unwiedersprechl. verbleiben und derjenige deme der Abtrag aufgelegt wird, soll von einer Gemein um zwei und vierzig Pfennig gestraft werden.

 

Ad Articulum 11mum

Die RoB nicht auf denen graßigen Weegen zwischen den besaumten Feldern hüten lassen

Es soll auch Niemand auf den graßigen Weegen oder Rainen, zwischen den besaumten Feldern oder Getraidem, mit denen Pferden hüten, so lang der Saame oder das Getraid stehen mag, wie dann der Übertretter von einem jeden Pferd Fünf und zwanzig Pfennig Straf und darzu den Schaden nach Erkenntnis wie abgemeld bezahlen und ablegen solle.

 

Ad Articulum I2mum

Das Graßen auf den besaumten Feldern betrf.

Item man soll im Korn und Getraidt, biß auf Walburgis zugrasen macht haben, und langer nicht, aber im Habern dart man, biß auf Johannis grasen, doch daß solches grasen mit keinen Dengel Stumpf, sondern mit den Händen geschehe, und keine Graserin aufm Saamen Oberzwerch laufe, und demselben vertrette, bei Straf fOnfzehen Kreuzer.

 

Ad Articulum 13mum

Wie sich die Gemeins-Verwanthen mit dem täglichen Grasen verhalten sollen

Es sollen auch die Gemeins-Verwanthen gegeneinander mit dem taglichen grasen in und an den Feldern beschaidentlich und unverweißlich halten, und einer dem andern keinen Schaden zufugen. Item solle Niemand zu Mittag, oder im Untern einen andern auf den Seinigen grasen, bei Straf dreiBig Pfennig.

 

Ad Articulum 14tum

Das grasen auf den Wiesen vor St. Walburgen Tag

Item es solle einem jeden Gemeins-Verwanthen erlaubet sein, bis 4 Tag vor St. Walburgis auf denen Wießmathen zugraBen, so solle auch der Gemeinde Viehe-Hirth langer nicht, dann bis Walburgis auf die Wiesen Hüten. Wer darwider handelt solle Zehen Kreuzer Straf verfallen sein.

 

Ad Articulum 15tum

Wann man Laub und Gras eintragen solle

Item soll auch keiner in der Gemein, weder durch sich selbsten, oder seine Ehehalten, noch andere, vor Bartholomai, weder Laub oder Graß in den Hölzern, oder in eines andern Wiesen Fütterung eintragen, bei Straf jedes mals eines halben Gulden.

Item so jemand vor Benannter Zeit uf seiner eigenen oder eines andern Wiesen graset, der soll nicht Macht haben, solches in andere Dörfer, oder Gemein zutragen und zuverkaufen, bei Straf eines halben Gulden.

 

Ad Articulum 16tum

Die junge Schlage vom Nadel und Reiß Holz betrf.

Es solle kein Gemeins-Verwanther Macht haben, unangewiesene Bäume, oder anders Holz, es sei viel oder wenig umbzuhauen, so solle sich auch keiner gelösten laßen, in einem jungen Schlag, es seie Nadel oder Reiß Holz zuschneckem, weniger Garbbänder zuschneiden, so solle auch weder der Viehe-Hirth noch weniger der Schäfer einen dergleichen Schlag behüten, auch Niemand darinnen grasen und Laub strupfen, solang bis die Führer und die Oberförster dis Ampts bei ihren Pflichten erkennen werden, daß darinnen kein Schaden mehr von Viehe geschehen könne, und es die Spizen oder Koppen nimmer erreichen möge. Bei Straf von jeder Überfahrt einen Gulden unnachlaßig und damit sich Niemand einiger unwißenheit entschuldigen möge, sollen die Führer jährlich nach St. Walburgern Tag die jungen Schlag in Beisein des Oberförsters mit Schauben bestrecken.

 

Ad Articulum 17mum

Kein frembd Rind- und Schaaf-Viehe auch ansteckende Pferd einzunehmen

Es solle Auch kein Gemeins- Verwanther frembdes Rind oder Schaaf Viehe, auch Pferd auf die Waide treiben, ehe dann daßelbe von denen Führern zweimal besichtigt worden, und mag Er daßelbe Acht tag in seinen Stallein behalten. Wer darwider handelt, und Unglück anstiftet, der solle alien Schaden gut machen, und noch uber das seine Straf der Obrigkeiten Erkenntnis stehen.

 

 Ad Articulum 18mum

alle Gaiß sollen zu halten verbotten sein. Desgleichen solle auch alles Gaiß Viehe zuhalten abgeschafft und verbotten sein, und wer einen Bock, oder Gaiß halten will, der solle solche in Stallen behalten, und auf die Waide zutreiben nicht Macht haben. Bei Straf von einem jeglichen Stück Einen Gulden.

 

Ad Articulum 19num

Tauben betreffende

Es soll auch ein Bauer nicht mehr als Zehen Paar Tauben, ein Köbler aber nur 5 Paar Tauben zu halten, Macht haben. Bei Straf Fünf Kreuzer von jedem Paar, die einer darüber halten wird.

 

Ad Articulum 20mum

Fischen im Gemein-Bach

Das wöchentliche Fischen im Gemeinbach solle verbleiben und Hingegen solcher Jährlich umb einen gewiesen Bestand Zinß, wie bishero, verloßen werden.

 

Ad Articulum 21mum

Das NachtZechen und beisammensitzen in denen Rocken Stuben betreffend

Und weiln das Nachtzechen und beisammensitzen in den Rocken-Stuben allzusehr Ober Hand nehmen will, als solle solches langer nicht, als biß uf 9 oder höchstens 10 Uhr verstattet werden. Wer nun über bemeldhe Zeit Jemanden linger in seinem Haus dulten wird, der solle von jeder Person umb DreiBig Kreuzer gestraft werden, dergleichen Straf solle auch der Jenige welcher Ober die gesetzte Zeit verbleibt, zu bezahlen schuldig und gehalten sein. Und wo sich ein frembder Knecht, oder Bauem Sohn in einer Rocken Stuben antreffen läst, solle Erzwei Gulden Straf geben.

 

Ad Articulum 22tium

Die Pferd oderjunge Füll nicht angespannt herumlaufen zu lassen

Wer ein Pferd, oder Füll, so zwei Jahr alt ist, auf der Waid ungespannt umblaufen last, soll umb zwölf Kreuzer gestraft werden, hatte sich aber solch Thier mit Gewalt loßgerißen, solle die Straf erlaßen werden.

 

Ad Articulum 23tium

Die Schwein nicht umbstreunen zu lassen

Item solle man hinführo die Schwein uf der Gaßen nicht umblaufen laßen, und welches Schwein ein Stund, nach dem Hirth eingetrieben hat, in dem Dorf und in dem Getraid gefunden wird, das sollen die Führer in die Rüg schreiben laßen, umb zehen Kreuzer, welche der Herr des Schweins, wann Er und die Seinigen nicht darnach gesuchet in die Gemein zahlen solle.

 

Ad Articulum 24tum

Die Gemein- Brunnen und das Waschen bei denenselben betrf.

Item es sollen auch die Gemein- Brunnen sauber gehalten und die Schöpf- Brunnen, weiche die Gemeins- Verwanthen zueigen haben, in Brauchbaren Stande erhalten werden, damit wann Feuer auskommt, man sich derselben bedienen könne, Und wann Jemand bei denen Brunnen wäschet, so soll die Wascherin den Wasch-Thisch neun Schuhe von dem Brunnen stellen, daß Sie den RQcken gegen den Brunnen wende, keine Wäsch auf den Brunnen liegen, daß darein tropfen, alles bei Straf eines halben Gulden unnachläßig.

 

Ad Articulum 25tum

Das Raumen der Wasser-Büsche und Verbesserung Weeg und Steeg betrf.

Es sollen auch die Führer schuldig und gehalten sein, die Bach, Graben, neben denen Brücken, Weeg und Steegen jahrlich zweimal, als zu Frühling- und Herbst-Zeiten, fleißig zubesichtigen, und jederzeit, wie Sie selbige befunden, bei den Ehrhaft-Recht relation zuthun.

 

Ad Articulum 26tum

Die Marksteine und Rain zwischen denen Feldern betrf.

Ferner sollen die Führer auch acht haben, und Sorge tragen, daß die Gemeins Verwanthen zwischen ihren Feldern die alda sich befindende Marktsteine, neben denen daselbst seiende Rainen, nicht umbackern, wie dann ein jeder schuldig sein solle, von seinem Feld 1 Schuh zum Rain liegen zulassen, damit ein solcher darzwischen gehende Rain, wenigstens zwei Schuh breit sein möge. Wer nun dieses nicht Thut, und durch die Führer angezeiget wird, der solle einen halben Gulden von jedem Fehl verfallen sein.

 

Ad Articulum 27mum

Die Aas betrf.

Item wer ein Aas auf die Gemein wirft, und nicht eingräbet, solle umb einen halben Gulden gestraft werden.

 

Ad Articulum 28vum

Herrenlose Gesind über Nacht nicht Zubeherbergen

Item es soll auch keiner in der Gemein loses und umbschweifendes Gesind, so den Bruthen schädlich sein, Qber eine Nacht beherbergen, noch Unterschlupf geben, sondern dieselben des andern Tags mit Ernst wieder abschaffen, bei Straf eines halben Gulden.

 

Ad Articulum 29num

Die Hintersassen oder Beständner betrf.

Es solle auch ein Mitgemeiner alhier, ohne Vorweisen des Herrn Pflegers nicht mehr, einen Beständner oder Einwohner, und darzu noch eine Junfrau einnehmen, bei Straf eines Gulden. Und da Er aufgenommen wird, solle Erzuvorderst dem Herrn Pfleger einen ehrlichen Abschied vorlegen, sein Annahm Geld bezahlen, darauf sich in das Bestandner-Buch einschreiben laBen, und so dann in die Gemein-Püchsen einen halben Gulden erlegen. Auch bei Straf eines Gulden.

 

Ad Articulum 30mum

Wie das Gespinnst gedörret werden solle

Und nachdeme von dem Gespinnst, so man in denen Häusern und Stuben dörret, vielfältige Brunst-Schäden erfolget, diesem nun fürzukommen, soll ein jeder in der Gemein hiermit gewarnet und verbotten sein, daß Niemand einig verdeckt, oder unverdeckt Gespinnst, in seiner Stuben haben, noch dörren, sondern solche Arbeit in dem Backofen verrichten solle, bei Straf eines Gulden.

Es solle auch keiner seinen, oder eines andern Backofen noch zweien Uhren nach Mittemacht anbrennen, oder Heizen. Bei Straf funfzehen Kreuzer.

 

Ad Articulum 31mum

Die Schleißen, oder Kienhoz betrf.

Item SchleiBen, oder Kienholz solle nicht auf die Öfen geleget, noch darauf gedörret werden, sondern man soll dieselben auf Stangen legen, die unter dreier oder uf das wenigste zweier Schuhe weit vom Ofen sind.

Item solle niemand mit Schleißen-Licht über die Gaßen gehen.

Es sollen auch die Jenigen welche in ihren Ställen die SchleiBen in die Holzwanden, und nicht in eine Stein-Mauer, oder in einen Leichter im Stall, wo kein Schaden zubefürchten, stecken. Wer Qber diese Verbott handelt, solle umb fQnfzehen Kreuzer Straf verfallen sein.

 

 Ad Articulum 32dum

Den Flachs bei keinem Span-Licht zu bleuen noch mit desgleichen Licht in die Stadel zugehen.

Item so eines Flachs bei einem Span-Licht bleuen laßen würde, der soll zur Straf vertallen sein fünfzehen Kreuzer. Es soll auch niemand mit dergleichen Licht in die Stadel gehen, bei Straf zwei Gulden. Vielweniger die Fütterung bei einem Licht in die Stadel thun. Bei eben dergleichen Straf.

 

Ad Articulum 33tium

WaBer für die Thür zusezen

Item so die verordneten Feuer-Schauer einem Waßer für die Thür zusezen gebietet und alsdann wann Sie wieder herumbgehen keines finden, oder vorhanden sein würde, so solle der selbe fünf Kreuzer Straf vertallen sein.

Und da einer ein umbequem Geschirr für die Thürsezet, welches man weder heben, oder gebrauchen könnte, der soll gleichfalls umb fünf Kreuzer gestraft werden.

 

Ad Articulum 34tum

Hauß und Feuer-Laitern betrf.

Ein jeder Gemeins Verwanther solle in seinem Haus eine Laitern wenigstens 20 Schuh lang haben. Die Feuerschauer aber sollen Anstalt machen, daß sowol im Ober als Unterkruppach an jedem Orth zwei lange Laitern 30 Schuh lang, und darzu an jedes Orth ein starker Feuerhaken verschafft werden. Diese solle man an ein gewieses Orth thun, daß sie im Fall der Noth geschwind vorhanden sind.

 

Ad Articulum 35tum

Der Feuerschauer Ampt und Verrichtung betrf.

Auf welches lezt erzehltes alles, und anderer Gefährlichkeiten des Feuers, und der Feuerstätte halben, sollen die in sonderheit im beisein des Herrn Pflegers erwählten zween Feuer-Schauer ein fleißiges aufsehen haben, und deowegen warnen und befehlen, die Feuer-Wätnde und Schlötte in guter Verwahrung zu haben und Ordnung zugeben, wie man die selben machen solle, auch im Jahr öftermals, und sonderlich zu Gespinnst und dürren Zeiten, besichtigung fOrnehmen, und da sie jemanden in ihren befehlen, die Feuer Gebau halber, oder wegen Gespinnst mit Schleißen und Kuhndorren ungehorsam und Ordnung zuwider erfinden würden, die sollen Sie den Führern anzeigen, weiche alsdann diejenigen, von jeder Übertrettung, wie oben verordnet ist, strafen, und solche Strafe in die Gemein-Büchsen legen sollen. Wo ferner aber die Feuer-Schauer solches verschweigen und nicht anzeigen würden, als dann sollen sie selbste, die bestimmte Straf zuerlegen und zubezahlen schuldig seien.

 

Ad Articulum 36tum

Wie die Pfand angezeigt werden sollen

Wann einer in der Gemein von einem andern Mitgemeiner ein Pfandt weiß, soll ers anzeigen, wann ers nicht thut, und man kompt in Erfahrung, daß ers gewust hat, soll Er das Pfand, damit die Strafe begrifen, selbst bezahlen. So aber einer Pfandt auf einem andern anzeiget, soll ers erweisen, wann Er solches nicht kan, soll er das Pfandt selbst geben.

 

Ad Articulum 37mum

Wie sich die Führer mit Einbringung der Straf und Pfand verhalten sollen

Item was an Strafen und Buß fallet, das sollen die Verordneten Führer unfehlbar einbringen, und ein jeder schuldig sein, solches Geldt innerhalb 8 Tagen zuerlegen, Widrigenfall sollen Ihme die Gemein Nuzungen so lang verbotten sein, biß Er die Verwirkung bezahlt hat, und daselbe Geldt soll ohne einigen Abgang in die verschloßene Gemein Büchsen gethan und beisammen gehalten werden, davon soll man nichts vertrinken oder verzehren, sondern zu der Gemein Nothdurft verfahren.

 

Ad Articulum 38vum

Lohn für die Jenige, so in Sachen, die Gemein betrf. verschicket werden

Item so ist mit alters hergebracht, wann einer im Nahmen der Gemein verschicket wird, deme solle gegeben werden, als:

Gen Gen Hersbruck 15 Pf.

Gen Nürnberg 72 Pf.
Gen Leuthenbach 6Pf.
Gen Prosberg 6Pf.
Gen Deckersberg 6Pf.
Gen Engelthal 8Pf.
Offenhausen 8Pf.

Folget der Führer Pflicht

Es sollen die Personen, so in beisein des Herrn Pflegers, als Gemein-Herrns, von der Gemein zu Führern verordnet und erwählet worden, ihre Treu geben und darauf zu Gott dem Allmächtigen einen Aid schwöhren, daß Sie der Gemein Ehren und Nuz betracht darzu rathen und helfen wollen, auch ob der Gemein-Ordnung und derselben Sazung halten, die Strafen getreulich erfordern, in die Büchsen legen, und sonsten auch der Gemein Nuzen Einnahmen einbringen, und einer Gemein damit zum getreulichsten handein und verrechnen, die Rügen nicht verheilen, oder verschweigen, sondern in dem allen und anderer Thun und handein wollen, was Ihr Ampt ausweist, und jedesmals einer Sachen Nothdurft erfordern wird, getreulich und ohne Gefährde.

In dem allen behält sich das Pfleg-Ampt Engelthal von Gemein-Herrschaftswegen befor, solche Gemein-Ordnung und künftige zu andern, und zu mehren, wie es die Nothdurft und Gelegenheit erfordert, und es jedesmals für Guth und Rathsam sein wird.

Folgen zur künftigen Nachricht die Namen der damaligen Innwohner zu Kruppach

1 Hannß Weber, hinter des GotteshauB Offenhaußen gehörig
2 Hannß Wagner,
3 Hannß Fleischmann, Ausmarker, alle drei Engelthaler Amtsunterthanen, und verpflichtete Marker.
4 Hannß Maier hat zwei Güter
5 Hannß Wagner hat zwei Güter
6 Paulus Haas,
7 Veit Meier,
8 Leonhard Haußmann,
9 Hannß Späth
10 Peter Haas, sämptlich Engelthalische Amptsunterthanen.
11 Georg Haas ins Löbl. Land-Allmoß Ampt nach
12 Hannß Übler Nürnberg gehörige Unterthanen.
13 Paulus Enders, vormals dillherrisch nun Meierischer Unterthan.

Und damit vorgeschriebene Gemein-Ordnung, Weeg, Steeg und Lucken-Beschreibung, und vorgegangener Gemein-Ausmarkung, desto gültiger und kräftiger sein möge. So haben wir eine ganze Gemein zu Ober und Unterkruppach unterthaniges Fleißes ersuchet und gebetten, den Hoch Edelgebohrenen Herrn Carl Benedict Nuzel, von und zum Sundersbühl, des Hochlöbl. Frank Craises wohlbestellter Kriegs-Rath, Obristen und Zeit Hochverordneten Herrn Pflegern zu Engelthal, als unsern vorgeszten Gemein Herrn, daß Seine Gnaden diesen Breif nicht mir uf Ferment schreiben und unß zu unserer und unserer Nachkommen Nachricht einhandigen, sondern auch Dero Alt-Adeliches Feinsiegel daran hangen laßen.

Welcher Bitte und Sieglung ich endts benannter also wißentlich vor und von mir geschehen zusein, hiemit allerdings bekanntlich bin, jedoch mir meiner Erben und Feinsiegel in allewege ohne Schaden und Nachtheil. Geben und Geschehen den 31. ten Monats-Tag Octobris nach Christi unsers Einigen Erlösers und Seligmachers Gebührt Eintausend, Siebenhundert und im Neunten Jahr.

Als Nachtrag zur Gemeindeordnung wurde noch folgendes vermerkt:

Wer von den Kruppachbach an Gemeind Etwas gekauft hat der uns das Hand lau in die Gemeinde bezahlen. Zum Ersten hat Paulus Enders Ein Stück Land in Hinten-Bach genannt gekauft.

Und er hats Sein Jüsten Sohn Johann Enders zu kaufen gegeben der hat das Hand lang in die Gemeinde bezahlt mit der Conrad Bogner als Gemeinde Vorsteher hat Ihn Quittird den 15. Dezember 1817.

Auf den Grünbuschanger wurden die Eichen 1869 durch den damaligen Gemeindepfleger Erhard Haas 11 Stck. gesetzt weiche 10 Pfg. kosteten und in Ungelstadten geholt wurden.

 

An dieser Stelle sei der Familie Leibold für Übersetzung der

Gemeindeordnung recht herzlich gedankt.

 

 

 

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